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Einhand von Rostock nach Bergen und zurück... Reisebericht
von Caroline Reinhardt Im Sommer 2003 fuhr ich also einhand nach Norwegen. Mein Boot ist zwar keine Hiddensee, ich freue mich aber, daß es als Vierteltonner trotzdem auf dieser Webseite erscheinen darf. Es war das erste Mal, daß ich eine so weite Strecke allein gesegelt bin. In den letzten Jahren waren meine Einhand-Touren wegen Crewmangel mehr aus der Not geboren und hatten maximal bis Rügen geführt. Aber die Idee eines langen Einhand-Urlaubstörns hatte sich irgendwann im vergangenen Jahr in meinem Kopf festgesetzt und mir seitdem keine Ruhe mehr gelassen. Die häufigste
Frage anderer Segler unterwegs war dann auch : Das Warum kann ich auch nicht genau beantworten - Die Herausforderung ? Das Abenteuer ? Einsam fühlte ich mich nicht, man ist allein doch bedeutend kontaktfreudiger und lernt viele Segler und "Landratten" in den Häfen kennen. Gerade in Norwegen wurde ich fast in jedem Hafen von Einheimischen angesprochen - woher ich käme, wohin ich will usw. Aber es ist trotz Selbstgesprächen und viel reudigem Gesang unterwegs schon manchmal ein wenig langweilig. Der Törn begann am 22.Juni in Rostock. Er führte über Klintholm, an Kopen-hagen vorbei nach Helsingör und weiter zur schwedischen Küste hoch bis Varberg. Auf diesem Teil der Reise hatte ich es noch sehr eilig voran-zukommen und bin auch zwei Nächte durchgefahren, um erst mal die schwedischen Schären zu erreichen. Von Varberg aus bin ich dann mit viel Zeit durch die Schären gesegelt, nach Göteborg, zum Swedish Match Race nach Marstrand (haben mich aber nicht mitfahren lassen) und weiter nach Strömstad. Zwischen den Schären fand ich es allein dann aber doch ziemlich aufregend. Die Seekarten hatte ich sowieso neben mir in der Plicht liegen und dann immer mit einem Finger auf der Karte lang um die einzelnen Steinhaufen abzuhaken. Und jeden Tag hab ich mich auf's Neue darüber gefreut, ein GPS zu besitzen. Von Strömstad ging es dann nach Oslo, wo ich mein Boot zwei Wochen lang liegen lassen mußte, um in Rostock ein wenig arbeiten zu dürfen. Ende Juli konnte ich dann wieder los - von Oslo Richtung Süden. Es ging, nach dem Oslofjord, die norwegische Ostküste über Grimstad und Kristiansand hinunter. Da der Wind beständig aus Süden wehte, bin ich außerhalb der Schären gekreuzt und habe mir das Innenfahrwasser für die Rückfahrt gelassen. Anfang August erreichte ich nach 10 Tagen Kreuzen endlich Kap Lindesness, die südlichste Spitze Norwegens und mußte damit die norwegischen Schären verlassen. Auf der Westseite Norwegens erwartete mich ein langes ungeschütztes Ende die steile Felsenküste entlang mit nur wenigen Häfen bis Tananger. Von Tananger aus ging's dann endlich in die ersehnten Fjorde. Durch eine beeindruckende Landschaft segelte ich über Haugesund zu meinem lang ersehnten Ziel Bergen. Bergen ist übrigens eine der regen-reichsten Städte Europas. Das kann ich jetzt bestätigen. Die Fjorde enttäuschten segeltechnisch allerdings - entweder gar kein Wind, oder von vorn, dazu meist merkliche Strömung. Daher entschied ich mich, nicht mit meinem Außenborder in die großen Fjorde zu fahren, sondern nahm von Stavanger aus ein Schnellboot in den Lysefjord. Mit 24 Fuß war mein Boot zumindest in den norwegischen Häfen mit Abstand das kleinste Schiff, kam aber dank sommerlich guten Wetters immer ganz gut zurecht. Zurück bin ich dann im Wesentlichen die gleiche Strecke gefahren. An der norwegischen Westküste gab es erst mal eine ganze Menge Wind (immer um 6 Bft.), wobei die dadurch entstandenen Wellen mich einmal auch zum Umdrehen zwangen. Nach Erreichen des Kap Lindesness ging die Fahrt durch die Schären wieder nordwärts über Mandal, Lillesand und Arendal bis Risör und von dort nach Osten zur schwedischen Küste südlich Strömstads. Für die Rückfahrt hatte ich mir an der schwedischen Küste noch ein paar "Leckerbissen", wie den Sotekanal und den Hamburgsund, aufgehoben, die ich auf der Hinfahrt ausgelassen hatte. Inzwischen war es Anfang September und die Schulferien in Schweden zu Ende, so daß ich diese schmalen Fahrwasser und etliche wunderschöne Naturhäfen fast für mich allein hatte. Insgesamt drei mal hatte ich auch das Glück, Seehunde zu sehen, entweder auf einer Schäre in der Sonne liegend oder direkt neben dem Boot auftauchend. An der schwedischen Küste segelte ich bis Bua Hamn (etwas nördlich von Varberg) und dann über's Kattegatt nach Anholt. Von Anholt hatte ich bis dahin nur Berichte eines hoffnungslos überfüllten Hafens gehört. Als ich am 9. September dort ankam, waren 6 Segelboote im Hafen (davon 3 Deutsche)! Von Anholt ging es dann in südliche Richtung durch den Großen Belt, nonstop bis Korsör und über Nyköbing wieder nach Hause. Am 14.September war ich wieder in Rostock und hatte etwa 1700 sm zurückgelegt. Helfen sollte mir unterwegs eigentlich mein nagelneuer Autopilot, aber sehr zufrieden war ich mit ihm nicht. Nachtfahrten hab ich auf dem Törn nur 3 oder 4 mal gemacht, ansonsten war ich abends immer wieder in einem Hafen oder einer der vielen schönen Ankerbuchten. Mit etwas Glück findet man in Schweden und Norwegen abends immer eine Insel, die man ganz für sich allein hat. Da war es nur schade, daß ich zum Batterie aufladen ab und zu wieder in einem Hafen übernachten mußte. Viel zu schnell verging dieser wunderbare Sommer, aber natürlich gibt es für das nächste Jahr auch schon einen Plan. (cr)
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